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Billy Wilder hat einen, Hedy Lamarr natürlich ebenfalls und Fritz Lang – siehe unsere Retrospektive – sowieso. Und seit 2014 auch Christoph Waltz. Die Rede ist von einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame, einer der höchsten Auszeichnungen, die nicht nur die Leistungen der Unterhaltungsindustrie würdigt, sondern vielmehr den Mythos Hollywoods im wahrsten Sinne des Wortes einzementiert. Seit ihn Quentin Tarantino in INGLOURIOUS BASTERDS als scharfzüngigen und vielsprachigen SS-Standartenführer Hans Landa besetzt und damit seine Weltkarriere begründet hat, ist Waltz aus der Traumfabrik nicht mehr wegzudenken. Anlässlich seines 70. Geburtstags blicken wir im Oktober zurück auf die nicht immer einfache Karriere des 1956 in Wien geborenen Schauspielers und rufen einige seiner prägendsten Auftritte in Erinnerung. Dass das METRO dabei für ihn ein ganz persönlicher Ort ist, hat er uns selbst erzählt: Als Vierjähriger besuchte er mit seiner Großmutter hier zum ersten Mal ein Kino.
Ursprünglich hatte Waltz gar nicht vor, Schauspieler zu werden. »Ich bin’s geworden aus Mangel an Phantasie, weil mir nichts Besseres eingefallen ist«, sagt er einmal in einem Interview. Er studiert am Max-Reinhardt-Seminar sowie am Lee Strasberg Theatre Institute in New York, und steht ab 1977 auf den Theaterbühnen in Wien, Zürich und Salzburg. Reinhard Schwabenitzky besetzt den jungen Mann sogleich in ersten Hauptrollen für seine Fernsehfilme, in denen sich seine besondere Begabung für Figuren zeigt, deren äußerliche Gewandtheit und innere Verunsicherung nicht recht zusammenzupassen scheinen. Ob als Jugendlicher, der sich gegen die Zuschreibungen seiner Umwelt behaupten muss, als unschuldig in die Psychiatrie eingelieferter Außenseiter oder als gefeierter Schlagersänger, der an den Erwartungen der anderen zerbricht: Waltz verkörpert Figuren, bei denen zwischen Selbstbild und Fremdbild etwas nicht stimmt.
Und dann ist da dieser Mund, auf den sich so vieles bei ihm konzentriert: Ein leichtes Grinsen, ein schmal gezogenes Lächeln, ein minimales Verziehen der Lippen können Überlegenheit und Zynismus ausdrücken, aber auch subversiven Schmäh – und am besten alles zugleich. Nach Jahrzehnten (vor allem) im deutschen Fernsehen macht Tarantino diese Fähigkeit zum Markenzeichen: Waltz spielt Figuren, die ihre Überlegenheit vor allem durch Sprache demonstrieren. Drei Jahre nach den BASTERDS gibt er in DJANGO UNCHAINED noch einmal den wortgewandten Grenzgänger – diesmal allerdings auf der richtigen Seite. Aus dem österreichischen Schauspieler wird binnen kurzer Zeit ein zweifacher Oscar-Preisträger, der hoch im Kurs steht. Ob in Western, Dramen, (Tragi-)komödien oder spektakulären Blockbustern – die größte Stärke hat sich der Charakterdarsteller jedenfalls bewahrt: dass man seinem Lächeln nie ganz trauen kann.