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Veranstaltungsort: Hörsaal 4, Universität für angewandte Kunst Wien (Altbau, 1. Stock)
Vortragsreihe im Studienjahr 2014/15:
Empires of Women. Konzepte und Konstruktionen matriarchaler Modelle/ Concepts and Constructions of Matriarchies
Die Caritas Romana zählt als eines jener Medusa-artigen Schockbilder, die den Betrachter fesseln, erregen, irritieren oder provozieren. Nach Caravaggio?s Integration dieses caritativen, aber auch erotischen Motivs in sein Altarwerk ?Die sieben Werke der Barmherzigkeit? (1606) gewann es rasch an Popularität. Frühneuzeitliche Künstler und Sammler waren besessen von dem Motiv der ihren Vater stillenden Pero. Phantasien der Regression, des inzestuösen Begehrens, und der lebensspendenden Macht der Brustmilch mischen sich in der Caritas Romana mit einer Kritik am Patriarchat. Die Ikonographie geht auf die Anekdotensammlung des Valerius Maximus aus dem Jahre 31 n.Ch. zurück, der in seinem Kapitel zur töchterlichen Liebe erzählt, wie Pero ihren eigenen Vater stillt, der zum Hungertod verurteilt worden war, und ihn damit rettet. Eine weitere Anekdote handelt vom Stillen einer ebenfalls im Gefängnis dahinschmachtenden Mutter. Was geschieht nun, wenn weibliche Künstler das Thema der Caritas Romana für sich beanspruchen? Angelika Kaufmanns Zeichnung des Themas lässt vermuten, dass sie autobiographische Motive hatte, auf einen sie ausbeutenden und von ihr abhängigen Vater hinzuweisen.
Jutta Sperling unterrichtet Frauen- und Gendergeschichte der Frühen Neuzeit am Hampshire College in Amherst, Massachusetts. Nach Abschluss ihrer Forschungen zur Sozial- und Rechtsgeschichte wandte sie sich Abbildungen des Stillens in der Kunst der Renaissance und des Barock zu. Sie ist, u.a., Herausgeberin der Artikelsammlung Medieval and Renaissance Lactations: Images, Rhetorics, Practices (Ashgate, 2013) und Autorin von The Roman Charity: Queer Lactations in Early Modern Visual Culture (under review with Ashgate).
