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Einverleiben, Verschlingen, Überleben – im brasilianischen Modernismus zelebriert der wilde Kannibale, Anthropophage das Verschlingen europäischer Kunst und Literatur, um sie in ein “Eigenes” zu transformieren.
100 Jahre nach der Unabhängigkeit von Portugal steht die im brasilianischen Modernismus der 1920er-Jahre proklamierte Avantgarde-Bewegung der Anthropophagie vornehmlich im Dienste der Konstruktion einer eigenen sprachlich-kulturellen Identität. Die metaphorische Verschlingung europäischer Kulturformen und ihre Transformation in ein genuin “Brasilianisches” wird als Möglichkeit des Widerstands gegen die nach wie vor wirksame Vorherrschaft Europas in Kunst, Kultur und Literatur zelebriert. Kultureller Kannibalismus als Akt der Einverleibung des Anderen und dessen Wiederauferstehung in anderer Form lässt sich als Akt des Übersetzens denken, als epistemologische Metapher für die Übersetzung von Kulturen. Als radikale, viszerale Form transkultureller Übersetzung unterminiert der kulturelle Kannibalismus in einem triumphalen Gestus die traditionelle Hierarchie zwischen Original und Übersetzung.
