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Vortrag
Klaus Speidel, Ko-Kurator der Ausstellung “Zeig mir deine Wunde” spricht über “Wunden in der Kunst als Spur, Allegorie und Fest”.
Ein Leben ohne Verwundung ist ein Menschheitstraum, der wohl unerfüllbar bleibt. Die Menschen haben also gelernt, mit der Tatsache der Verwundung umzugehen. Kinder zeigen die eigenen Wunden her und erzählen, wie sie zu ihnen kommen. Auch ÄrztInnen, PsychologInnen oder Priester, die Wunden heilen wollen, müssen sie zunächst als Spuren körperlicher oder seelischer Verwundung lesen und ihren Ursprung erkunden. Gleichzeitig alltäglich und beängstigend, spielt Verwundung bereits am Beginn der Kunst in der prähistorischen Höhlenmalerei eine prominente Rolle. Weil die Wunde als körperliche Tatsache auch heute noch den gleichen Gesetzen gehorcht wie vor 20,000 Jahren, macht sie Bilder über Jahrtausende und kulturelle Grenzen hinweg lesbar.
Genau darum dreht sich der erste Teil des Vortrages, der auf Dr. Klaus Speidels Forschung im Labor für empirische Bildwissenschaft an der Universität Wien aufbaut. Jedoch würde eine Diskussion von Wunden als Spur allein zu kurz greifen. Jenseits des Realismus, fungieren Wunden oft auch allegorisch oder symbolisch in der bildenden Kunst. Das Feiern der Wunden schliesslich verbindet die christliche Kunst der Tradition auch mit dem Wiener Aktionismus. Beispiele aus mehr als 20 Jahrhunderten sollen zeigen, was die KünstlerInnen der Ausstellung „Zeig mir deine Wunde“ mit William Hogarth, Andy Warhol, Banksy oder Imran Qureshi verbindet – aber auch was unterschiedliche Zugänge zum Thema trennt.
** Klaus Speidel ist Philosoph, Kunstkritiker und Kurator. Er hat in München (LMU) und Paris (Ecole normale supérieure, Paris X Nanterre) Philosophie und Kunstgeschichte studiert und an der Sorbonne in Paris zum Thema der autonomen Bilderzählung im Einzelbild in Philosophie promoviert. Nach Lehraufträgen an der Sorbonne sowie den Universitäten Konstanz und Wien, leitet er seit Oktober 2015 das FWF Lise Meitner Projekt „Zur experimentellen Narratologie des Bildes“ im Labor für empirische Bildwissenschaft an der Universität Wien. Über aktuelle Kunst schreibt er für Spike und artpress sowie in Katalogen, unter anderem für das Centre Pompidou, die Schirn Kunsthalle und das mumok.
An Donnerstagabenden ist das Dom Museum Wien bis 20 Uhr geöffnet. Einmal im Monat laden wir zu einem DOMerstagabend-Event: Fokusführungen mit KünstlerInnen- und KuratorInnen, Vorträge, Lesungen, Performances und diskursive Veranstaltungen.
** Anmeldung erforderlich. Gratis mit Eintritt, der von 18:00 - 20:00 Uhr um 50% ermäßigt ist.**
