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Internationale Tagung
Oskar Kokoschka (1886-1980) gilt als „Oberwildling“ der Wiener Moderne, als Multitalent, das in Bild und Wort Grenzen überschritt. Er war bestens vernetzt und schon früh international erfolgreich. Seine Kunst wurde von den Nazis als „entartet“ diffamiert und als engagierter Antifaschist musste er nach vielen Lebensstationen von Prag aus nach England flüchten. Kokoschka hat sich in den Kanon einer explizit widerständigen Moderne eingeschrieben, deren Parameter er nachhaltig mitgeprägt hat. Bis heute gilt er als Inbegriff des radikalen, politischen Künstlers.
Das Oskar Kokoschka Zentrum an der Universität für angewandte Kunst Wien verfügt über wesentliche Nachlassbestände. Seit mehr als 25 Jahren hat es sich als vielfältig tätige Forschungseinrichtung zur Aufgabe gemacht, das wirkmächtige Narrativ kritisch zu hinterfragen und den faszinierenden Künstler in seinen unterschiedlichen Kontexten zu erforschen sowie sein komplexes Schaffen zu vermitteln. So bietet die Tagung aktuelle Forschungsbeiträge aus der Kunst- und Kulturwissenschaft, der Zeitgeschichte, der Literatur- und Theaterwissenschaft, sowie der Biografieforschung, die in vier Themenfeldern neue Perspektiven und Einblicke in Kokoschkas Leben und Werk eröffnen.
So werden seine über Europa hinausreichenden Netzwerke in Kunst und Politik vor, während und nach dem englischen Exil sowie sein politisch-pazifistisches Engagement ebenso beleuchtet wie seine Sozialisierung in den Avantgardekreisen des Wien nach 1900. Nicht zuletzt prägten die Diskurse seiner frühen Wiener Jahre sein Verständnis der Geschlechterrollen, das sich etwa in seinem Puppenfetisch (1918/19) niederschlug, der heute in Theorie, Kunstproduktion, aber auch in der Populärkultur stark rezipiert wird. Eine eigene Sektion ist Kokoschkas Bühnenwerk gewidmet, das – obwohl oft nur peripher behandelt – im Œuvre als multimediales Experimentierfeld eine wesentliche Rolle spielt. Im Zentrum wird sein Beitrag zum expressionistischen Theater und dessen Nachleben stehen. Zu guter Letzt soll Kokoschkas Selbst-/Positionierung in der internationalen, insbesondere der bisher kaum untersuchten US-amerikanische Kunstwelt analysiert sowie die folgenreiche Mythenbildung in und durch seine komplexen autobiografischen Schriften neu bewertet werden.
Programm
9.30-10.00 Begrüßung
Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien Bernadette Reinhold, Oskar Kokoschka Zentrum, Kunstsammlung und Archiv, Universität für angewandte Kunst Wien Régine Bonnefoit, Institut d’histoire de l’art et de muséologie (IHAM), Université de Neuchâtel
10.00-12.00 Kokoschkas politisches Engagement zwischen 1934 und 1953
Moderation: Patrick Werkner, Wien
10.00-10.30 Ines Rotermund-Reynard, Institut national d’histoire de l’art, Paris Netzwerke und Widerstand im Exil (1933–1945). Paul Westheim und Kokoschka
10.30-11.00 Lucy Wasensteiner, Liebermann-Villa am Wannsee, Berlin Kokoschka in London: die Ausstellung 20th Century German Art, Sommer 1938
11.00-11.30 Régine Bonnefoit, IHAM, Université de Neuchâtel
Comenius als Projektionsfigur in Kokoschkas pazifistischen und politischen Schriften zwischen 1936 und den 1940er Jahren
11.30-12.00 Diskussion
12.00-13.00 Mittagspause (Buffet vor Ort)
13.00-14.30 Kokoschkas Selbstpositionierung und Vermarktungsstrategien
Moderation: Bernadette Reinhold, Universität für angewandte Kunst Wien
13.00-13.30 Keith Holz, Western Illinois University The expectations of Kokoschka in U.S. museums, collectors and its market
13.30-14.00 Birgit Kirchmayr, Johannes Kepler Universität Linz Zur Legende vom Künstler. Einige Anmerkungen zum „autobiografischen Leben“ Oskar Kokoschkas
14.00-14.30 Diskussion
14.30-15.00 Kaffeepause
15.00-16.30 Kokoschkas Verständnis der Geschlechterrollen
Moderation: Daniela Hammer-Tugendhat, Wien
15.00-15.30 Katharina Prager, Universität Wien
Sexuelle Emanzipationen im Wien um 1900 – Reflexionen über Sexualität und Geschlecht im Umkreis von Kokoschka
15.30-16.00 Bernadette Reinhold, Universität für angewandte Kunst Wien Kokoschkas Puppe. Anmerkungen zur Genese, Mythenbildung und Eigendynamik eines Kunst-Fetisch
16.00-16.30 Diskussion
16.30-17.00 Pause
17.00-19.00 Kokoschkas expressionistische Bühnenstücke und deren späte Rezeption in Brasilien
Moderation: Kurt Ifkovits, Theatermuseum Wien
17.00-17.30
Anna Stuhlpfarrer, Wien
Kokoschka – ein Pionier des expressionistischen Theaters?
anschließend Diskussion
ab ca. 18.00 Filmvorführung mit Diskussion
Günter Berghaus, Köln und Bristol University
Assassino, esperança de mulheres / Mörder, Hoffnung der Frauen (1909), Rio de Janeiro, 1997 (ca. 40 min)
anschließend ein Gespräch mit dem Regisseur, Kurt Ifkovits und Anna Stuhlpfarrer
Brot & Wein
Konzept, Organisation und Leitung
Die Tagung der Universität für angewandte Kunst Wien ist eine Kooperation mit der Universität Neuchâtel in der Schweiz.
Régine Bonnefoit, Institut d’histoire de l’art et de muséologie, Université de Neuchâtel (Schweiz) und Bernadette Reinhold, Oskar Kokoschka Zentrum, Universität für angewandte Kunst Wien
Begleitende Ausstellung
Während der Tagung sind vor Ort, im Auditorium der Angewandten, in einer Ausstellung Arbeiten Kokoschkas, Briefe, Fotos, Dokumente und Bücher aus dem Bestand des Oskar Kokoschka Zentrums an der Universität für angewandte Kunst Wien sowie der Trickfilm von Lizzy Hobbs, I am OK (London 2018) zu sehen.
Anmeldung
info@uni-ak.ac.at
