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Romuald Karmakar
20. März bis 7. April 2010
Romuald Karmakar, Jahrgang 1965, ist eine der überragenden Gestalten, die das deutsche Kino hervorgebracht hat. Mit seiner konsequenten ,,Arbeit an Deutschem”, seinem extremen Genauigkeitsanspruch und seiner filmischen Methodik nimmt er eine Ausnahmeposition ein, die vor allem international (im Filmbereich und in anderen Kunstsparten) starken Widerhall gefunden hat. Dem offiziellen Filmbetrieb der wiedervereinigten deutschen Länder ist sein Schaffen eher unheimlich geblieben. Dies hat wohl auch mit mangelnder Anpassung zu tun: Karmakar, der seine Schulzeit auf dem deutschen Gymnasium in Athen und seinen Militärdienst bei der französischen Armee verbracht hat, steht eher den ,,Fremdenlegionären” und Exilanten des deutschen Kinos nahe - oder amerikanischen Mavericks wie John Cassavetes und Monte Hellman.
Die Retrospektive findet in Kooperation mit der Diagonale in Graz statt, wo eine Auswahl aus Romuald Karmakars Werk präsentiert wird. Romuald Karmakar und Manfred Zapatka werden in Graz und in Wien zu Gast sein. Sie offerieren Werkstatt-Präsentationen, Publikumsgespräche und Einführungen - auch zu Filmen der Komplementär-Retrospektive ,,Deutschland in der Nacht”.
Am 18.3. (Graz) und am 21. 3 (Wien) wird das Buch ,,Romuald Karmakar” von Olaf Möller und Michael Omasta vorgestellt (FilmmuseumSynemaPublikationen, Band 13).
20.3. 19:00
Der Totmacher (1995)
Regie: Romuald Karmakar; Drehbuch: Karmakar, Michael Farin, basierend auf den Protokollen und Gutachten der gerichtspsychiatrischen Untersuchung Fritz Haarmanns durch Prof. Ernst Schultze; Kamera: Fred Schuler; Darsteller: Götz George, Jürgen Hentsch, Hans-Michael Rehberg, Marek Harloff, Romuald Karmakar. Farbe, 115 min
Karmakars aufsehenerregendes Spielfilmdebüt und sein einziges Werk, das - nicht zuletzt dank Götz-George-Starpräsenz und Serienkiller-Zeitgeist-Chic - im deutschen Mainstream gebührend abgefeiert wurde. In seiner Reduktion aufs Wesentliche als kunstvoll komponiertes Kammerspiel ist Der Totmacher zugleich ein Manifest des Karmakar-Kinos: ein genuin filmisches Ereignis im ästhetischen Krisengebiet des (damaligen) deutschen Kinos. Wie so oft bei Romuald Karmakar bildet ein historischer Text die Ausgangsbasis: die Vernehmungsprotokolle des als ,,Vampir von Hannover” berüchtigten Mörders Fritz Haarmann, umgeformt zum unglaublichen Drama einer Annäherung. Der psychiatrische Gutachter Prof. Ernst Schultze, der diese Vernehmungen im Jahr 1924 durchführte, wird zur heimlichen Hauptfigur. Nebenbei ist Der Totmacher eine idiosynkratische, hellsichtige Passage durch Dunkelzonen der deutschen Filmgeschichte - beginnend beim Titel, der sich Peter Lorres tiefempfundenen Nachkriegsmeisterwerk Der Verlorene verdankt. (C.H.)
