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„Go To Travel“ ist eine Initiative des ehemaligen Japanischen Premierministers Shinzo Abe, die von seinem Nachfolger Yoshihide Suga mitgetragen wurde und leidenschaftlich weitergeführt wird. Die landesweite Kampagne dient der Wiederbelebung der Tourismusbranche, die von der Corona-Pandemie und dem dadurch verursachten Rückgang ausländischer Besuche in Japan stark getroffen wurde. Dank staatlicher Zuschüsse bietet das Programm Reisen innerhalb Japans etwa zum halben Preis. Trotz großem Widerstand seitens diverser Bürgermeister*innen und großer Teile der Bevölkerung ist „Go To Travel“ überall in Japan außer in Tokyo gestartet, und zwar gerade, als die zweite Corona-Pandemiewelle in Japan sich anballte. Viele Bürger nutzten die Aktion. Aufgrund eines starken Anstiegs der Corona-Fälle im Dezember wurde die Kampagne vorläufig abgesetzt.
Die Künstlerin Eva Schlegel schreibt folgendes zu den Arbeiten der Ausstellung: »Zarte zurückgenommene Fotos, wie im Nebel – Ansichten aus Japan, Fotos von Gebäuden Straßen, Fragmente und heilige Stätten, diese schönen und fast heiter zu nennenden Aufnahmen von Hana Usui bilden den Grund – die Basis für ihre Überarbeitungen. In schwarzer Ölpausen-Technik werden die Fotos mit punktförmigen Performationen versehen, die dem Himmel zustreben – Champagnergleich. In manch anderen Ansichten vermutet man Bruchstellen, die genäht und zusammengefügt scheinen – alle Überarbeitungen legen neue Schichten an, bilden zusätzliche Narrative – erzählen weitere Geschichten.
Doch werden sie auch immer wieder zu Störungen – hat sich ein Staubfaden über das Foto gelegt, drängt sich dort die Störung vor das Heitere?
„Go To travel“ – ein Appell der japanischen Regierung bildet den Titel dieser Arbeiten, um die darniederliegende Tourismusindustrie in der beginnenden Coronazeit zu unterstützen und die Verschiebung der Olympiade in Tokio abzumildern. Ein Appell innerhalb Japans zu reisen, sich auszutauschen – der von der Bevölkerung zwiespältig aufgenommen wurde, denn die Angst vor Ansteckung und Verbreitung der Krankheit ist immanent.
Hana Usui, japanische Künstlerin in Wien lebend, konnte also nicht reisen, konnte nicht ihre Familie in Japan besuchen und hat sich in der Isolation während des Lockdowns mit neuen Arbeiten visuell nach Japan versetzt.
Unter Verwendung verschiedenster Reisefotos, privater Schnappschüsse von Orten in Japan, die mit Erinnerung aufgeladen sind, wurden diese kleinformatigen zarten schwarz weiß – eher würde man sagen nebelgrauen Stimmungen transformiert und mit persönlichen, reduzierten abstrakten Zeichnungen versehen. Was in diesen Arbeiten aber immer zu spüren ist – und das mutet seltsam an: ist die Farbe. Es gibt keine Farbe: trotzdem, die Farbe unserer Vorstellungskraft, eine fröhliche Energie durchzieht diese Bilder, eine Vertrautheit, die den Betrachter erreicht. Man erahnt die flirrenden Farben des lebendigen Tages bei den Tempeln, in den Städten. In anderen Bildern schafft der geringe Kontrast des Grau aber auch Distanz – oder beschreibt eine Grenze des Erscheinens oder Verschwindens wie eine schwingende Bewegung.«
