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Ausstellung: Edgar Honetschläger. Nature is an Impossibility. Go Bugs Go!
19 Uhr: Podiumsdiskussion mit Edgar Honetschläger, Dr. Peter Iwaniewicz und Carolin Seifriedsberger
Moderation Lucas Gehrmann
Kurator: Lucas Gehrmann
Der österreichische Künstler und Filmemacher Edgar Honetschläger widmet sich in seinem neuen international angelegten Projekt dem Versuch, kollektive Renaturalisierungsmaßnahmen in Gang zu setzen und vor allem Insekten ihren Lebensraum zurück zu geben. Die Kunsthalle Wien präsentiert den Launch von Go Bugs Go – einer transdiziplinären Initiative des Künstlers im Verbund mit Rechtsanwälten, Biologen, Landwirten und Real Estate Entwicklern. Go Bugs Go ist eine kollaborative Praxis die jeden Einzelnen von uns auffordert aktiv zu werden, um die Erde vor dem drohenden Kollaps zu bewahren.
Honetschläger ist ein beständig Reisender, ein Weltenbürger, der in den letzten 25 Jahren in den USA, in Japan, in Brasilien und Italien gelebt hat und sich in seiner künstlerischen Methode auf die Infragestellung kultureller Gegebenheiten, des Konzepts der Individuation und unseres Umgangs mit der Natur konzentriert. Auf seinen Reisen machte er zusehends die erschreckende Erfahrung dass intensive Landwirtschaft, maßloses Konsumverhalten und Ressourcenverschwendung irreversible Schäden angerichtet haben und mit welch rasender Geschwindigkeit die Entwicklung vonstatten geht. Jüngst in Australien begegnete er keinem Känguru oder Koalabären, dafür hunderten Millionen von Rindern über unendlich lange Landstriche hinweg. In Japan beobachtete er die tragischen Folgen des dreifachen Supergaus im Atomkraftwerk Fukushima auf Natur und Mensch.
In seinem 800 m² Gemüsegarten nördlich von Rom, empfing Honetschläger nach jahrelanger Trockenheit eine gespenstische Stille. In den letzten 20 Jahren sind 80% der Insekten und als Folge 40% der Vogelpopulation verloren gegangen. Mangel an Regen und der Einsatz von Pestiziden lassen die kleinen Tiere von der Erde verschwinden, somit natürliche Bestäubung von Blüten vermissen und den Ertrag von Gemüse und Früchten schrumpfen. Plötzlich erscheinen Schmetterlinge, Zikaden, Bienen oder Glühwürmchen wie Kreaturen aus der fernen Vergangenheit. Grund genug für den Künstler anzuhalten, zu reflektieren und aus dem Erfahrungsschatz eines global denkenden Vazierers und lokal wie global aktiv zu werden. Im Austausch mit den italienischen Bauern begann er neue Anbaumethoden zu entwickeln und parallel zu seinem sich explosionsartig entwickelnden Garten gründete er eine Interessensgemeinschaft zum Schutz der Insekten mit dem Titel Go Bugs Go. Was, wenn sich Millionen von Menschen, die sich rund um den Globus Sorgen um die Zukunft der Erde machen, zusammentun, ein Stück Land nach dem anderen kaufen und es der Natur zurückgeben. Orte wo sich Pflanzen, Insekten, Vögel und andere Tiere ungehindert entwickeln können, Orte wo der Mensch nichts anbaut, nicht düngt, nicht eingreift, nicht zerstört. Non Human Zones.
Edgar Honetschläger ist kein weltfremder Träumer oder gesellschaftlicher Systemaussteiger, vielmehr ein utopischer Realist, der aus seiner künstlerischen Praxis heraus eine konstruktive Utopie für die Zukunft unserer Umwelt und unsere Form des sozialen Zusammenlebens entwickelt. Er gründete eine Non Profit Organisation, setzte eine Website auf, vernetzte sich über soziale Medien mit Wirtschaft, Politik und Kunst. Daneben erntete er hunderte Kilos Tomaten, Zucchini und Melanzani, verkochte sie, füllte sie in Gläser und vergibt sie nun in der Kunsthalle gleichwie in der Galerie Charim gemeinsam mit einem Print im Kartons verpackt an all jene „Buggies“, die bereit sind Teilhaber am Go Bugs Go Movement zu werden. Indem gemeinsam Land erworben wird und in den kollektiven Besitz übergeht, soll sich gemeinsames Interesse an der Erhaltung unser aller Lebensgrundlage gegen das kurzsichtige Profitstreben des Einzelnen durchsetzen. Go Bugs Go!
(Fiona Liewehr, Oktober 2018)
Edgar Honetschläger hatte Personalen im Casino Luxemburg, Belvedere21 Wien, Kunsthalle Brandts Odense Dänemark, Sagatcho Exhibit Space Tokyo, OÖ Landesmuseum und in der Kunsthalle Krems. Beteiligungen an der DOCUMENTA X, MUDAM Luxemburg, Hammer Museum Los Angeles und Kunsthalle Wien. Seine Filme laufen auf der Berlinale, der Viennale und auf zahlreichen internationalen Filmfestivals. Derzeit lebt Honetschläger nahe Rom und in Wien.
