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Im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Donnerstags in der Bibliothek” der Universitätsbibliothek der Akademie der bildenden Künste Wien.
In seinem Werk ‘De L’Amour’ (1822), einer philosophischen Abhandlung über die Liebe, beschreibt der französische Schriftsteller Marie-Henry Beyle alias Stendhal, das Konzept der ‘Kristallisation’ als den Prozess einer geistigen Metamorphose: “Tätigkeit des Geistes, der bei allem, was sich ihm darbietet, die Entdeckung macht, daß das geliebte Wesen neue Vorzüge hat”. Weiters setzt Stendhal die Kristallisation mit Kunstrezeption gleich. Im Gegensatz zu den Imaginationstheorien der Romantik, die die Imagination zu einem erkenntnishaftem Vermögen aufwerten, sieht Stendhal das Kunstwerk oder den literarischen Text als Produkt einer individuell begrenzten, affektiven Imagination, dem es an erkenntnistheoretischem Status mangelt. Ein Liebender bzw. Kunstrezipient schafft demnach Schönheit in einem Rezeptionsprozess, nach der Art einer Kristallisation.
In der von der britischen Biochemikerin Dorothy Hodgkin (1910- 1994) entwickelten Protein-Kristallographie (1964 Nobelpreis in Chemie) werden bewegliche Körper kristallisiert, also zur Erstarrung gebracht um dann mittels Röntgenstrahlung deren 2-dimensionales sog. Beugungsmuster zu erfassen. Mittels spezieller Algorithmen kann auf die Kristallstruktur und somit auf die molekulare Gestalt des Proteins rückgeschlossen werden- anhand von Transformations- und Übersetzungsprozessen können also diese, sonst in ihrer tatsächlichen Erscheinung nicht erfassbaren Körper, identifiziert und verstanden werden.
Nicole Prutsch (*1980, Steiermark) ist Künstlerin und Naturwissenschafterin. Sie lebt und arbeitet in Wien. 2006-2013 Studium der Malerei bei Johanna Kandl und Gerhard Müller, Universität für angewandte Kunst Wien. 2011 Gastsemester bei Virgil Widrich, Art and Science Visualization. 2012 Erasmus Stipendium London, Wimbledon College of Art, Print and Time Based Media. 2015 AIR Tapiola Guest Studio, Helsinki. Zahlreiche Austellungen u.a. in London, Moskau, Sofia und Wien. www.nicoleprutsch.com
Boris Manner (*1961, Kärnten) ist Philosoph und Lehrender an der Universität für angewandte Kunst Wien. Weiters arbeitet er als Schriftsteller, Kurator und Kulturmanager. Von 1992-1996 arbeitete er für den ORF, Abteilung Musik und Theater und war von 1987?2001 an zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen als Schauspieler, Regieassistent und Regisseur beteiligt, u.a. bei ?Der Fall Bachmann? (1991; Regie) und ?Malina? von Werner Schroeter 1992. Seit 1997 betreibt er Recherchetätigkeit für Anselm Kiefer und kuratierte von 2006-2010 zahlreiche Ausstellungen für die Stella Art Foundation in Moskau, Venedig und Istanbul. www.borismanner.net
