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MARKUS REDL . VOGELFREI
16 SEP - 25 OCT 2015
Die kommende Ausstellung in der Galerie Lisabird Contemporary ist ein Schwergewicht. Einige hundert Kilo wiegen die Skulpturen des österreichischen Bildhauers Markus Redl (* 1977 Klosterneuburg), die sich vor allem durch ihre formale Vielfalt charakterisieren. Die Einzelausstellung ?Vogelfrei? basiert auf seinen intensiven Auseinandersetzungen mit den Materialien Stein, Bronze und Papier in den vergangenen zehn Jahren.
Die historisch determinierte Kategorie der Skulptur ist längst nicht mehr gültig. Die künstlerische Praxis der 1960er/ 70er Jahre etablierte neue Werkformen, die über stetige Entwicklungen hinaus eine Erweiterung des Skulpturbegriffes vollzogen haben. Die Komposition, die Körperlichkeit einer Figur, ihr bestimmender Rhythmus und die eingeschränkte Materialauswahl - die moderne Skulptur scheint von diesen alten Bindungen befreit. Doch sich von alten Bindungen zu befreien, ermöglicht auch, sich wieder bewusst dafür zu entscheiden: Marmor, Kalkstein und Bronze werden in den Skulpturen von Markus Redl zu einer Art virtuellem Marker der Antike - und zu seinem roten Faden. Die Skulpturen, die von einer repräsentativen Denkmallogik befreit sind, charakterisieren sich mehr durch Inhalt, Material und Sprache als durch ein fixes Formenvokabular: von barock figürlich über formal streng bis hin zu konzeptionellen Formen reicht das Repertoire. Von der eigenen Oma als Motiv bis hin zu einem schelmisch grinsenden Zitat von Franz Xaver Messerschmidt mit goldenem KHM Fahrradhelm.
Redl beweist dabei, dass die Verwendung klassischer Materialien keineswegs eine Sackgasse bedeutet. Vielmehr gibt es Momente, in denen sein Atelier zu einer Art Labor wird. Stein 114 -117 besteht aus vier Teilen, deren Bruchstellen nach außen gerichtet sind. Es wird deutlich, dass diese einzelnen Teile ursprünglich ein Ganzes waren. Doch was ist hier passiert? Die Oberfläche der Steine nahe der Bruchkanten gibt erste Hinweise: Sie ist verändert, weist dunkle Stellen auf und erinnert an Brandrückstände. Tatsächlich sind die gebrochenen Steine das Ergebnis einer Sprengung. Doch nicht etwa durch moderne, technische Sprengstoffe, sondern durch die Elemente Feuer, Luft und Wasser. Redl hat in den ursprünglichen Block bis zur Hälfte der Tiefe ein Loch gemeißelt. Auf der anderen Seite des Steines legte er ein Feuer, das mehrere Stunden wütete - bis der Block zur Gänze erhitzt war und sich in dem gemeißelten Loch heiße Luft gestaut hatte. Durch das Übergießen mit kalten Wasser wurde der Stein schließlich gesprengt. Stein 114 -117 bündelt so die Elemente und macht diese auf einfache, nahezu natürliche Weise sichtbar. Doch in diesem Atelier oder Labor ist nicht alles so natürlich. Seine Bronzen erweitert Redl nämlich um Aspekte der Malerei, indem er mit Chemikalien die Oberflächen patiniert oder neutralisiert, um der Hülle durch unterschiedliche Farbwerte wieder Tiefe zu geben.
Die formale Vielfalt der Skulpturen wird durch den Inhalt selbst begründet und geschaffen. Zwar sind auch die Zeichnungen von Markus Redl von einem persönlichen Ausdruck befreit und von Themen bestimmt, dennoch kontrastieren sie stark mit den Skulpturen. Indem Redl sich selbst zurücknimmt hat er eine wissenschaftlich präzise Formensprache entwickelt: Feine, grazile und präzise Zeichnungen auf Papier mit Blattgold oder Weißgold als dritte Qualität. Archetypische Formen, arabische Muster und Symbole wie der Davidstern werfen Fragen zur kulturellen Identität und religiöser Identifikation auf. In der Arbeit Gold Tusche Papier 03 entsteht durch die Zusammenführung verschiedener Symbole ein Mandala, das in der Mitte durch das Papier selbst getrennt ist. Der Blick der Betrachters soll auf das gerichtet werden, was miteinander verbindet, statt auf das, was trennt. Und somit steht der Mensch im Fokus der Arbeiten von Redl: ?Es geht darum Erhabenes und Alltägliches zu befrieden und zu befreunden, um eine Voraussetzung für Integrität zu schaffen.? (Text von Sabrina Möller)
