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Retrospektive Gustav Ucicky

Film Video Eröffnung Screening
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1 Termin
bis Sonntag 11. Jänner
20. Nov. 2014 -
So 11. Jän. 2015
19:30
Retrospektive Gustav Ucicky

Donnerstag, 20. November, 19:30 Uhr
ERÖFFNUNGSFILM: DER POSTMEISTER
Ein Film von Gustav Ucicky, D 1940
88 Minuten, 35mm, s/w, dt. OF

20. November 2014 bis 11. Jänner 2015

Gustav Ucicky ist mehr als nur irgendein Name im deutschsprachigen Film der 1920er- bis 1950er-Jahre. Aber: wer war er – und war er überhaupt wer? In Erinnerung ist er als ein Regisseur ohne eigene Handschrift, ein technisch versierter Allrounder ohne Eigenschaften und ohne künstlerisches Geheimnis. Berühmt war er zeitweise als Regisseur »seiner« Stars: Hans Albers, Heinrich George, Paula Wessely. Verrufen ist er bis heute dafür, dass er für Goebbels 1941 HEIMKEHR gedreht hat, den vielleicht »besten«, jedenfalls effektivsten und besonders perfiden unter den nationalsozialistischen Propagandafilmen. Wenig bekannt sind Ucickys freche und provokative Stummfilme, weithin vergessen die nach 1945 gedrehten Genrestücke, die in ihrer Gesamtheit eine Chronik des in den Wirtschaftswunderjahren herrschenden Zeitgeschmacks bieten.

Dass ein neuer, nicht unbefangener, aber doch unverkrampfter Blick auf Ucickys Filme längst überfällig ist, wird erst in der Zusammenschau recht deutlich. Sein Leben lang hat sich der uneheliche und vom Vater weitgehend ignorierte Sohn Gustav Klimts eigentlich nur für eines interessiert: für Frauen, die sich in existenzieller Not vor schwierige Entscheidungen gestellt sehen und sich zu behaupten wissen, den Mut aufbringen, ein unkonventionelles Leben zu leben und im Zweifelsfall auch ohne den Beistand ihrer um große Worte nie, um hilfreiche Taten aber fast immer verlegenen Männer auszukommen. Ucicky hat es in ganz erstaunlichem Ausmaß geschafft, dieses Interesse an starken Frauen, alleinerziehenden Müttern und rebellischen Töchtern, als von zufälligen Aufträgen abhängiger Regisseur im arbeitsteiligen Studiosystem zu verfolgen und es in filmische Variationen zum Thema umzusetzen. Dabei war ihm ein unprätentiöses, von Egomanie freies Verständnis seiner Rolle als Regisseur von Nutzen, in dem von Fall zu Fall, Film zu Film entschieden wurde, mit welchen Mitteln ein Buch sich optimal ins Bild setzen ließ. Das sind nicht immer die Mittel gehobenen Geschmacks. Soweit es Triviales und Sentimentales betraf, kannte Ucicky keine Berührungsängste, und auch zur Herkunft des Films aus dem Jahrmarktsmilieu mit seinem bunten Strauß an Attraktionen hat er sich ein herzliches Verhältnis bewahrt, ganz gleich, ob es sich um wilde Tänze oben ohne, Lipizzaner oder Philharmoniker handelte.

Und Gustav Ucicky war ein Opportunist, der sich von den Nazis in Dienst nehmen ließ und ihnen zuverlässig Qualitätskino mit großem Publikumszuspruch lieferte. Dafür dass das mit Prädikaten und Preisen versehene Ergebnis auch politisch nach Wunsch ausfiel, bot er allerdings keine Garantie. Denn die Gelegenheit, nach welcher der Opportunist Ucicky süchtig war, bestand in der Möglichkeit, interessante Geschichten auf die Leinwand zu bringen. Darum haftet seiner Produktion mitten im Stromlinienförmigen des Unterhaltungsbetriebs ein Moment der Unberechenbarkeit und des mit propagandistischen Botschaften Inkommensurablen an, das immer wieder wechselnde Gestalt annimmt und das immer wieder neu zu entdecken auch dem heutigen Betrachter bleibendes Vergnügen bereiten kann.

Christoph Brecht

Archiv-Screenshot:

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