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NITROFIEBER 02: Der Selbstanschluss-Fernsprecher

Bildende Kunst Zeitgenössische Kunst Screening
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1 Termin
Dienstag 27. März 2018

DER SELBSTANSCHLUSS-FERNSPRECHER belegt, dass auch der österreichische Dokumentarfilm Ende der 1920er-Jahre gelernt hat, Humor souverän einzusetzen und selbst aus trockenen Stoffen kurzweilige Unterhaltung zu kondensieren. Er gibt eine charmante Anleitung zum Gebrauch der kurz zuvor neu eingeführten Wahlscheibe. Technologisch ein Riesenschritt in der Entwicklung der Telefonie, aber auch kinematografisch von höchster Potenz. Besonders bemerkenswert dabei sind aufwendige Mehrfachbelichtungen, die gekonnt Stilelemente der Film-Avantgarde aufgreifen.

DIE FRAU VON GESTERN UND MORGEN
Dr. Röhn zeigt wenig Verständnis, Liebesaffären in Heiraten umzumünzen. Als erfolgreicher Scheidungsanwalt sind ihm die Schattenseiten bürgerlicher Lebensentwürfe zu sehr vertraut. Großen Gefühlen begegnet er in seiner Praxis nur als vorgeschobenen Strategien im existenziellen Überlebenskampf. Frauen, die dabei das enge Korsett traditioneller Rollenerwartungen lockern, sind ihm ebenso suspekt wie jene, deren ehelicher Gehorsam eine gesicherte Versorgung in Aussicht stellt. Darum sträubt er sich, als er seine große Liebe findet, zu heiraten und tritt damit eine Lawine an Komplikationen los. Diese führen die Protagonisten – fotogra- fisch effektvoll in Szene gesetzt – u. a. in das heute nicht mehr existierende Hotel Bellevue, wo Sigmund Freud seinen ersten Traum analysierte, und an mondäne Adriadomizile, die – ungewöhnlich für die Zeit – an Originalschauplätzen gefilmt wurden. Dass Dr. Röhn zum guten Ende doch noch in den sicheren Ehehafen schifft, kann nicht verhindern, dass freiere Lebensformen sehr sympathisch davonkommen und es eigentlich offen bleibt, wie man wahre Liebe am besten konserviert. Das internationale Schauspielerensemble, allen voran Livio Pavanelli als Scheidungsanwalt, Arlette Marchall als dessen Geliebte und Vivian Gibson als attraktive, aber gefährliche Verführerin, spiegelt die betont internationalistische Ausrichtung der österreichischen Filmproduktionen dieser Epoche, in der Wien nicht nostalgischer Fokus der Realitätsverweigerung ist, sondern für ein moderneres Europa mit einem erweiterten moralischen Horizont steht.

DER SELBSTANSCHLUSS-FERNSPRECHER
A 1928
PRODUKTION: Ingenieur Karl Köfinger Lehr- und Propagandafilme, Wien
LÄNGE: 9 Minuten bei 24 Bildern pro Sekunde; 253 Meter
FORMAT: 35 mm, s/w

DIE FRAU VON GESTERN UND MORGEN
A 1928
REGIE: Heinz Paul
BUCH: Heinz Paul nach dem Roman von Adolf Schirokauer
KAMERA: Hans Theyer
AUSSTATTUNG: Hans Ledersteger
AUFNAHMELEITUNG: J. W. Beyer
DARSTELLER: Arlette Marchall, Vivian Gibson, Anna Kallina, Livio Pavanelli, Igo Sym, Fritz Alberti, Hans Homma, Fritz Straßny, Viktor Franz, Julia Janssen, Helene Lauterböck, Maria Korten, Cornelius Kirschner, Hermann Frischler, Karl Friedl, Alfred Lohner, Wilhelm Völker, Hermann Benke
PRODUKTION: Ottol-Film, Wien
ATELIER: Schönbrunn
LÄNGE: 77 Minuten bei 24 Bildern pro Sekunde; 2117 Meter
FORMAT: 35 mm, s/w

Archiv-Screenshot:

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