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Wiener Alltag 2: Stadt als Marke, Wohnbau als Produkt

The Unique, The Ambassy, The Flatiron, The Fusion, Ray Vienna. Sie alle waren bis vor kurzem Biedermeier- und Gründerzeithäuser unter vielen, Serienprodukte des 19.Jahrhunderts, jetzt werden sie, saniert und ausgebaut, unter großem Marketing-Aufwand als unverwechselbare Einzelstücke angepriesen.

Die Finanzialisierung des Wohnbaus ist ein weltweites Phänomen, insbesondere als Resultat der Zinspolitik nach der Finanzkrise 2008. Sie manifestiert sich auch in Wien, einer Metropole mit einem der höchsten Anteile kommunalen und gemeinnützigen Wohnbaus. Sie zeigt sich hier wie auch weltweit in einer Flut von Kleinstwohnungen in idealer Investmentgröße von 40 bis 50 Quadratmetern, die euphemistisch als „Micro-Living“ angeboten werden und in Studierendenwohnheimen, die mit Mietpreisen von 40 Euro pro Quadratmeter zur neuen Goldgrube für Investment-Portfolios geworden sind. Wem gehören diese Wohnungen, wer wohnt hier, wie zukunftsfähig sind sie, und wo in der Stadt sind sie angesiedelt?

Doch die Kritik an diesen Entwicklungen darf nicht verhehlen, dass das Werben schon immer Teil der Wohnbauproduktion war. Auch im geförderten Wohnbau, und auch in der Quartiersentwicklung werden Marken und Bilder produziert, werden „Identitäten“ geschaffen. Eine Gratwanderung zwischen reinem Marketing und fundierter Quartiersentwicklung im Sinne der sozialen Nachhaltigkeit.

Wir diskutieren, wie sich diese Entwicklung gegenwärtig in Wien darstellt. Wie sieht die Kommunikationsoberfläche des Wohnens und der Stadt aus? Wer hat hier die Definitionsmacht über welche Identitäten? Wo liegt die Grenze, an der das Branding zum Problem wird?

Gäste:
Bernadette Krejs (Fachbereich Wohnbau und Entwerfen, TU Wien), Sabine Pollak (Köb&Pollak, Professorin Städtebau Kunstuniversität Linz)

Moderation: Maik Novotny / ÖGFA

Bernadette Krejs, ist Architektin und Forscherin und an der TU Wien am Forschungsbereich für Wohnbau und Entwerfen tätig. In ihrem Dissertationsvorhaben beschäftigt sie sich mit der medialen Repräsentation von Wohnen durch digitale Plattformen und einer gegen-hegemonialen Bildproduktion im Feld der Architektur. Sie ist Mitherausgeberin mehrerer Bücher und Mitbegründerin des Kollektivs Claiming Spaces.

Sabine Pollak studierte Architektur in Graz, Innsbruck und Wien, promovierte 1995 mit der Arbeit “Programme und Strategien in der Architektur” und habilitierte sich 2003 mit dem Buch “Leere Räume. Wohnen und Weiblichkeit in der Moderne”. Sie leitet gemeinsam mit Roland Köb das Architekturbüro Köb&Pollak Architektur, leitet seit 2008 als Professorin den Bereich Architektur und Urbanistik an der Kunstuniversität Linz und ist Autorin zahlreicher Bücher.

Diskussion
Architektur
Urbanismus
arts (general)
05.05.2023 (Fri)
19:00 -
IG Architektur , 1060 Wien